18.04.2026
RNS#1
Samstag, 18. April 2026– 14 h, Dialog ab 16 Uhr
Ort: Kultur einer Digitalstadt – Ludwig-Engel-Weg 1, 64287 Darmstadt
Eintritt / Gebühr: kostenfrei, bring your own lunch
zum Programm und den beteiligten Dialogpartnern

Seit 2020 übersteigt die anthropogene Masse – alle von Menschen geschaffenen oder veränderten Materialien und Objekte – die gesamte lebende Biomasse der Erde. Dieses unscheinbare und gleichzeitig erschütternde Faktum ist der Ausgangspunkt von Re-Negotiating Space: einer Dialogreihe, die keine fertigen Antworten mitbringt, sondern die Fähigkeit zur gemeinsamen Vorstellung anderer Zukünfte als demokratischen Akt begreift – und als die vielleicht drängendste Aufgabe unserer Zeit.
Am 18. April 2026 eröffnen Kultur einer Digitalstadt e.V. und hortopia.org ihre Reihe von vier Dialogen zur Urban Ecological Democracy auf dem Gelände der Neuen Künstlerkolonie am Park Rosenhöhe. Das Gespräch, moderiert von Jan Eckert und Lukas Einsele und begleitet von einer künstlerischen Intervention der Hamburger Künstlerin Swaantje Güntzel, bringt fünf Stimmen aus Stadtsoziologie, Weltraumforschung, Architektur, Kommunalpolitik und Nachhaltigkeitswissenschaft an einen Tisch – unter freiem Himmel, an einem der eigenwilligsten und schönsten Orte Darmstadts. Die Dialogrunden werden in englischer Sprache geführt.

RNS#1 – Warum neu verhandeln?
Das Gespräch: Was steht auf dem Spiel?
»Warum neu verhandeln?« ist keine rhetorische Frage. Sie stellt das Selbstverständnis städtischer Planung insgesamt zur Disposition: Wer hat das Sagen über unseren urbanen Lebensraum? Welche Interessen werden gehört, welche nicht? Und was verändert sich, wenn wir die Natur nicht länger als Ressource, sondern als Akteurin mit eigenem Anspruch begreifen?
Das Manifest von Re-Negotiating Space (re-negotiating.space/manifesto/) formuliert vier Bewegungsachsen für diesen Wandel: von der Governance zur echten Handlungsfähigkeit – von der gebauten zur regenerativen Umwelt – von der Technologie zur Transformation – vom Eigentum zum Planeten. Diese Achsen sind keine abstrakten Programme, sondern Einladungen zur gemeinsamen Untersuchung: Was braucht es, damit Städte und ihre Bewohner*innen die Fähigkeit zur Neuverhandlung wirklich besitzen?
Hinter dieser Frage steht eine ältere, heute nochmals dringlicher gewordene Frage: Ernst Bloch beschrieb die menschliche Fähigkeit zur Vorwegnahme des Noch-Nicht-Gewordenen als das eigentlich Politische. Es geht dabei nicht um passive Erwartung, sondern um aktives Träumen als Grundlage des Handelns. Tomás Maldonado übersetzte dies in die Designtheorie: mit der »Speranza Progettuale«, der Entwerfbarkeit der Hoffnung. Er war überzeugt, dass der Entwurf eine Form des Widerstands gegen Lähmung ist. Was in den 1970er Jahren als gestalterische Haltung formuliert wurde, ist heute demokratische Notwendigkeit. In einem Moment, in dem Algorithmen und KI-Systeme Entscheidungen vorwegnehmen, Debatten abkürzen und Zukünfte zu simulieren vorgeben, braucht es mehr denn je die Fähigkeit zum gemeinsamen, langsamen, widersprüchlichen Entwurf. Re-Negotiating Space versteht sich als ein Ort dieser Praxis. – Programm
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