Re-Negotiating Space (RNS) ist eine Reihe von Dialogen, Interaktionen und Interventionen, mit denen demokratische Instrumente zum Neuverhandeln urbaner Räume zwischen menschlichen und planetaren Bedürfnissen erforscht und erprobt
werden.
Seit 2020 übersteigt die anthropogene Masse – alle von Menschen geschaffenen oder veränderten Materialien und Objekte – die gesamte lebende Biomasse der Erde. Dieses unscheinbare und gleichzeitig erschütternde Faktum ist der Ausgangspunkt von Re-Negotiating Space: einer Dialogreihe, die keine fertigen Antworten mitbringt, sondern die Fähigkeit zur gemeinsamen Vorstellung anderer Zukünfte als demokratischen Akt begreift – und als die vielleicht drängendste Aufgabe unserer Zeit.
Seit April 2026 veranstalten Kultur einer Digitalstadt e.V. und hortopia.org ihre Reihe von vier Dialogen zur Urban Ecological Democracy auf dem Gelände der Neuen Künstlerkolonie im Park Rosenhöhe. Die Gespräche, moderiert von Jan Eckert und
Lukas Einsele, werden von partizipativen Workshops und künstlerischen Beiträgen flankiert. Sie finden unter freiem Himmel statt, an einem der eigenwilligsten und schönsten Orte Darmstadts. Die Dialogrunden werden teilweise in englischer Sprache geführt. Die bisherigen Dialogrunden waren am 18. April und 13. Juni. Die
abschließende Veranstaltung RNS#4 „From Tech to Transformation – Tools for ReNegotiation“ wird am 10. Oktober stattfinden.
Zu den Dialogrunden (in English): https://re-negotiating.space/
jeweils ab ca. 14 Uhr im Garten von Kultur einer Digitalstadt.
Auftakt war am 18. April 2026 zum Thema „Warum neu verhandeln?“ – zur Veranstaltung
Am 13. Juni 2026 wurde das Thema „Jenseits des Anthropozäns – Die Stimme des Planeten“ verhandelt – Zu Ergebnissen, Rückblick, Fotos der Dialogrunde.
Am Samstagnachmittag am 22. August 2026 setzten wir uns mit den Geräuschen einer mehr-als-menschlichen Stadt auseinander: „Neue Klanglandschaften für urbane Ökologien – Das Post-Anthropozän gemeinsam gestalten“ – Infos zur Veranstaltung
In der letzten Dialogrunde am 10. Oktober 2026 wird das Thema behandelt: „Von der Technik zur Transformation – Instrumente für Neuverhandlungen“. Weitere Infos .
Ein fotografischer Überblick:
















Fotos: Johannes Jäger








Fotos: Lukas Einsele
Die Neue Künstlerkolonie – Ein Ort mit Geschichte und Haltung
Unmittelbar hinter dem Löwentor am südlichen Fuß der Rosenhöhe in Darmstadt
befindet sich die Neue Künstlerkolonie, die seit Ende der 1960er Jahren Atelier,
Denkraum und Begegnungsort in einem ist. Die sieben Atelierhäuser wurden auf
Initiative von Prinz Ludwig von Hessen und bei Rhein erbaut – als, in seinen Worten,
»Beitrag zur Überwindung der Nöte der geistig und künstlerisch Schaffenden« nach
dem Krieg. Im Atelierhaus am Ludwig-Engel-Weg 1 (LEW1), betreibt der Verein Kultur einer Digitalstadt e.V. seit 2019 eine offene Plattform für Diskurs, künstlerische Forschung und gesellschaftliche Auseinandersetzung.
Der Park Rosenhöhe selbst – gelegen im Darmstädter Osten – ist mit seinem alten
Baumbestand, den Rosenbeeten und dem Ausblick über die Darmstädter Innenstadt kein neutraler Veranstaltungsort, sondern ein gewachsener Naturraum mitten im städtischen Gefüge, der die Fragen des ersten Dialogs buchstäblich verkörpert: Wie viel Raum gehört der Natur, wie viel dem Menschen? Wer entscheidet das und nach welchen Kriterien? Die unmittelbar westlich benachbarte UNESCO-Weltkulturerbe Mathildenhöhe steht für den Mut einer Stadtgesell-schaft, kollektiv und weitblickend über ihre Zukunft nachzudenken – eine Haltung, die Darmstadt als World Design Capital 2026 unter dem Leitmotiv »Transformation as Tradition« ausdrücklich weiterführen will.
World Design Capital 2026: Design für die Demokratie
Re-Negotiating Space ist Teil des offiziellen Programms der World Design Capital
Frankfurt RheinMain 2026 und wird von der WDC-Organisation unterstützt. Die World Design Capital – ein Titel, den die World Design Organization (WDO) alle zwei Jahre vergibt – macht 2026 die gesamte Metropolregion Frankfurt RheinMain zur
internationalen Bühne für Design als gesellschaftliche Praxis.
Das Leitmotiv der WDC 2026 lautet »Design for Democracy. Atmospheres for a better life«.Design wird dabei nicht als ästhetischeDisziplin verstanden, sondern als Prozess, der Wandel initiiert, demokratisches Zusammenleben gestaltet und ökologische Verantwortung in konkrete Praxis übersetzt – als Methode, um gemeinsam Räume zu schaffen, in denen Menschen und Natur tatsächlich etwas bewirken können.
Re-Negotiating Space – Die Initiatoren
Lukas Einsele bildender Künstler und lebt in Darmstadt. Seine künstlerische Praxis
nutzt Fotografie, bildgebende Medien und Text. Im Rahmen von interdisziplinären
Forschungskooperationen erkundet er Themen wie Krieg, Gesicht, Erinnerung und
Wahrnehmung. Das Langzeitprojekt »One Step Beyond – Wiederbegegnung mit der
Mine“ wurde weltweit ausgestellt, u.a. Witte de With Center Rotterdam, Museum
Haus Esters Krefeld, UN Visitors Centre New York. Das Buch hierzu erhielt den
Deutschen Fotobuchpreis und den Karl Hofer Preis der UDK Berlin. Einsele war u.a.
Stipendiat der Deutschen Akademie Rom, der Akademie der Künste Berlin und der
Hessischen Kulturstiftung. Einsele ist Mitgründer des Vereins Kultur einer Digitalstadt e.V. (KeD). KeD verfolgt einen interdisziplinären Ansatz: Artist-in Residence-Programme in Kooperation mit Wissenschaftsinstituten wie ESOC, GSI
und hessian.AI, Digital*Salons, Ausstellungen und performative Formate haben den
Verein zu einem Akteur an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und
Stadtöffentlichkeit gemacht. Als Ko-Kurator von Re-Negotiating Space bringt Einsele diese Praxis des Öffnens – von Räumen, Fragen, Begegnungen – in die Dialogreihe ein.
Dr. Jan Albert Eckert ist Schweizer Urbanist und Designforscher, Ko-Kurator und
Moderator der Dialogreihe. Seine Arbeit steht in der Tradition der Entwerfbarkeit der Hoffnung – jenem Begriff, mit dem Ernst Bloch die menschliche Fähigkeit zur aktiven Vorwegnahme des Noch-Nicht-Gewordenen beschrieb und den Tomás Maldonado als Speranza Progettuale in die Designtheorie übersetzte: Entwerfen als Widerstand gegen Lähmung, als Projektion möglicher Zukünfte. Eckert trägt diesen Gedanken in die Gegenwart, wo KI-Systeme demokratische Verhandlung zu ersetzen drohen – und macht ihn konkret: als Forscher und Project Lead für Urbane Transformation am Lugano Living Lab entwickelt er partizipativ-demokratische Instrumente an der Schnittstelle von Stadtverwaltung, Bürgerinnen und Digitalisierung; mit hortopia.org prototypisiert er bessere Mensch-Planeten-Beziehungen im Rahmen eines ko-evolutionären Stadtverständnisses; und mit Nominute.City erkundet er, was Städte brauchen und leisten können, wenn das Wachstumsnarrativ ausgedient hat.
Veranstaltungen
18.04.2026
13.06.2026
Re-Negotiating Space (RNS#2) – „Jenseits des Anthropozäns — Die Stimme des Planeten“
22.08.2026
RNS#3 – „Neue Klanglandschaften für urbane Ökologien – Das Post-Anthropozän gemeinsam gestalten“
10.10.2026
RNS#4 „Von der Technik zur Transformation – Instrumente für Neuverhandlungen“
Personen
Förderer




